Etwas erregt meine Aufmerksamkeit: Ein zerrissenes Foto am Straßenrand, ein achtlos fortgeworfenes Metallstück, ein knorriger Ast auf dem Waldboden… Hier beginnt die neue Existenz der Dinge, die ihr Leben schon hinter sich hatten. Die Gegenstände flüstern ihre Geschichte und wer hinhört, vernimmt ein Raunen durch ihre zerkratzten, rissigen, versehrten Oberflächen. Ich höre hin, lese die Spuren der Zeit und des Gebrauchs.
Meine Malerei und das Material, das ich hinzufüge, spürt diesen Erzählungen nach, versucht assoziativ freizulegen, was mich und das Gefundene verbindet. Totgeglaubtes und verworfene Objekte bilden gemeinsam einen lebendigen Organismus. Die unvollkommenen, verbrauchten „Findeldinge“ versöhnen sich im Werkprozess miteinander und erfahren eine Aufwertung. In diesem Sinn arbeite ich zyklisch, ich recycle Vorhandenes, schwimme im Kreislauf mit.
Ich suche nach visuellen Formen und Andeutungen, die ausdrücken, welche Kräfte des Beginns im Verfall schlummern. Ich entdecke Universelles im Einzelschicksal der Gegenstände, erprobe die Transformation des Materiellen zum Immateriellen. Der banale Zufallsfund entzündet meine Gedanken über Zyklen der Natur, im Jahr, im Leben, in meinem Leben. Mein bildnerisches Handeln vollzieht den erspürten Rhythmus und die Dynamik dieser fließenden Prozesse nach. Zeitlose Erfahrungen schälen sich nach und nach aus dem Werk, dem vergänglichen Träger der Ideen. Es entstehen Vexirbilder, die verschiedene Assoziationen und Deutungen zulassen. Ich übermale, zerstöre, schaffe neu, bis ich sehe, was ich gesucht habe, bis das Fundobjekt als Keim erste zarte Triebe gebildet hat, um sich geistig wuchernd zu verweben.